Zu den lange bekannten klassischen Risikofaktoren für atherosklerotische Gefäßerkrankungen, wie Cholesterin (besonders bei hohen LDL- und niedrigen HDL-Fraktionen), Hypertonie, Nikotin, Diabetes melitus, Hyperurikämie, Übergewicht und Stress, werden als Folge der Erweiterung der biochemischen und epidemiologischen Kenntnisse ständig neue Parameter hinzugefügt. Beispiele hierzu sind die Triglyceride, Lipoprotein a, Fibrinogen, die Infektion mit Clamydia pneumoniae und neuerdings auch Homocystein, wobei das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei gleichzeitigem Vorliegen mehrerer Risikofaktoren bekannter weise überproportional ansteigt.
Das Homocystein ist eine in der Nahrung nicht vorkommende Aminosäure. Sie wird bei der Demethylierung von Methionin gebildet und, obwohl sie selbst keine essentielle Aminosäure ist, spielt sie als Überträger von Methylgruppen eine wichtige Rolle bei der Bildung anderer essentieller Aminosäuren.
Das ausschließlich als Zwischenprodukt gebildete Homocystein ist sehr toxisch. Es führt über die Bildung hochreaktiver Radikale zur oxidativen Schädigung von Endothelzellen, Enzymen und anderen Proteinen und zu erhöhter Plaquebildung. Dies erklärt direkt seine gefäßschädigende Wirkung. Epidemiologisch wurde eine enge Korrelation zwischen der Hyperhomocysteinämie und der Atherosklerose gefunden. Patienten mit Atherosklerose haben signifikant höhere Homocysteinspiegel als gesunde Kontrollpersonen.
Die Bestimmung des Homocysteinspiegels als unabhängiger Risikofaktor für atheroskopische Gefäßerkrankungen bietet den Vorteil, dass sich eine festgestellte Hyperhomocysteinämie leicht therapieren lässt. Die Therapie ergibt sich aus dem Metabolismus des Homocysteins, an dem die Vitamine B12, B6 und Folsäure beteiligt sind. Generell gilt: Vitamine schützen. In der Praxis substituiert man entweder das fehlende beteiligte Vitamin oder gleich alle drei. Dadurch kann das erhöhte Homocystein auf biologische Weise abgebaut und der Risikofaktor eliminiert werden.
Damit der Homocysteinspiegel vor der Messung nicht artifiziell ansteigt, sollte die Probe sofort nach der Entnahme zentrifugiert werden und das gewonnene Serum bis zum Versand im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Material: Serum
GOÄ 1,15: 32,18

