01. Apr. 2020

Anti-Müller-Hormon (AMH): Ein Marker zur Beurteilung der ovariellen Funktionsreserve

Während der Embryonalentwicklung spielt das Anti-Müller-Hormon (AMH) eine wichtige Rolle bei der Geschlechtsdifferenzierung.

Beim männlichen Feten wird es von den Sertolizellen gebildet und führt zur Rückbildung der Müller’schen Gänge und somit zur normalen Entwicklung der männlichen Genitalien.

Bei weiblichen Feten fehlt AMH, was zur Ausbildung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane führt.

AMH ist bei der Frau erst mit der Geschlechtsreife nachweisbar und wird nur von den potentiell reifungsfähigen Primär- und Sekundärfollikeln gebildet. AMH eignet sich deshalb gut als Marker für die ovarielle Funktionsreserve.

Im Alter von 18-30 Jahren ändert sich die AMH-Konzentration kaum. Nach dem 30. Lebensjahr fällt der Serumspiegel kontinuierlich auf schließlich nicht mehr meßbare Werte in der Peri-/Postmenopause ab. Der zunehmende Funktionsverlust der Ovarien geht mit einem Absinken der AMH-Werte einher, bevor FSH erkennbar ansteigt.

AMH zeigt kaum relevante Zyklusschwankungen, so daß eine Abnahme prinzipiell zu jedem beliebigen Zeitpunkt des Zyklus möglich ist. Dennoch empfiehlt sich zur optimalen Einschätzung die AMH-Bestimmung in der Follikelphase.

Die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH) kann ab sofort bei uns angefordert werden.

Normbereich / relevante Wertebereiche:

    • Frauen in der fertilen Lebensphase  1 – 8 ng/ml
    • AMH-Werte zwischen 0,4 - 1,0 ng/ml sprechen für eine eingeschränkte ovarielle Funktions-reserve und ein schlechtes Ansprechen auf eine ovarielle Stimulationstherapie
    • bei AMH-Werten < 1,0 ng/ml tritt mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb von drei Jahren die Menopause ein
    • Postmenopause, eingeschränkte Ovarfunktion: < 0,4 ng/ml
    • PCO-Syndrom: hinweisend sind erhöhte Werte > 8 ng/ml

 

Klinische Bedeutung

    • Unerfüllter Kinderwunsch bzw. Beurteilung der Konzeptionschancen
    • Sterilitäts-/IVF-Therapie: Anpassung der Dosis bei hormoneller Stimulationstherapie
    • Zustand nach Chemotherapie: Einschätzung der verbliebenen ovariellen Funktionsreserve
    • PCOS-Diagnostik
    • Vorhersage der Menopause
    • Granulosazelltumor: deutlich erhöhte Werte, Tumormarker für die Nachsorge
    • Pädiatrie: Pubertas praecox, Pubertas tarda, Kryptorchismus/ Anorchie, intersexuelle Auffälligkeiten

Material: 1 ml Serum

Abrechnung: GOÄ Ziffer 4069           1,0fach       43,72€

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