Procalcitonin-gesteuerte Antibiotika-Therapie bei Atemwegsinfektionen
Procalcitonin ist ein Marker zur frühzeitigen Diagnostik bakterieller Infektionen, der im intensivmedizinischen Bereich bereits bei der Sepsisdiagnostik etabliert ist. Bei bakteriellen Infektionen wird Procalcitonin vermehrt und unabhängig von Calcitonin freigesetzt. Bei dieser Diagnostik ist Procalcitonin dem CRP überlegen. Bei viralen Infektionen, Autoimmunerkrankungen, allergischen Prozessen oder anderen inflammatorischen Erkrankungen bleibt PCT allerdings unverändert.
Daher eignet sich Procalcitonin zur Differenzialdiagnostik zwischen bakteriellen und non-bakteriellen entzündlichen Prozessen, ersetzt das quantitative CRP jedoch nicht!
Das Procalcitonin erwies sich bislang in einer Vielzahl von Studien als im Vergleich zum quant. CRP spezifischer, so dass es ein hervorragender „rule-in Marker“ für bakteriologische Infektionen ist. Gleichzeitig weisen eine Reihe der bisherigen Vergleichsstudienauf eine größere Sensitivität des CRP´s hin, so dass dieser Parameter der bessere „rule-out Marker“ für bakterielle Infektionen ist.
Wir empfehlen daher bei entsprechender Indikation die Anforderung sowohl des quantitativen CRP´s als auch die des Procalcitonins, um bakterielle Infekte mit niedriger inflammatorischer Aktivität, Infekte mit viralen Erregern oder auch nicht-infektiöse Prozesse nicht zu übersehen.
Die Notwendigkeit einer Antibiotikaverordnung ergibt sich aus dem Ergebnis der Bestimmung des Procalcitonins.
Interpretation der PCT-Spiegel
| PCT-Spiegel | Infektionswahrscheinlichkeit und Antibiotikatherapie |
| < 0,1 ng/mL | Bakterielle Infektion sehr unwahrscheinlich, Antibiotikatherapie nicht empfohlen |
| ≥ 0,1 - < 0,25 ng/mL | Bakterielle Infektion eher unwahrscheinlich, Antibiotikatherapie aus Gründen der Patientensicherheit erwägen |
| ≥ 0,25 - < 0,5 ng/mL | Bakterielle Infektion eher wahrscheinlich, Antibiotikatherapie eher empfohlen |
| ≥ 0,5 ng/mL | Bakterielle Infektion sehr wahrscheinlich, Antibiotikatherapie dringend empfohlen |
| > 1 – 2 ng/mL | Eine bakterielle Sepsis liegt mit erhöhter Wahrscheinlichkeit vor |
(aus Atemwegsinfektionen: Differentialdiagnose per Procaltitonin-Test, Dtsch. Ärzteblatt 2010; 107 (45): A-2250 von Nickolaus, Barbara)
Für die Bestimmung von Procalcitonin steht uns ein Test der 2. Generation mit höherer Sensitivität der Fa. DiaSorin zur Verfügung, der eine taggleiche Abarbeitung auf unseren Liaison XL-Systemen ermöglicht.
Daher kann Procalcitonin nunmehr auch für die Diagnostik pulmonaler Infektionen eingesetzt werden:
Exazerbation einer COPD, akute Bronchitis, ambulant erworbene Pneumonie
Bei akuten Infektionen der unteren Atemwege ist somit eine Procalcitonin - gesteuerte Antibiotika-Therapie möglich. Durch den Verzicht auf (wirkungslose) Antibiotika für virale Infektionen (ca. 80 % der Atemwegsinfektionen), bei denen Procalcitonin nicht erhöht ist, können bis zu 50 % der Kosten für Antibiotika eingespart werden. Außerdem wird der Gefahr von Resistenzentwicklungen durch überflüssige Antibiotika-Gabe begegnet.
Die Vergütung im GKV-Bereich erfolgt nach der EBM-Ziffer 32459 (9,60 €), ist im Rahmen der gelenkten Antibiotika-Therapie mit der Budgetkennziffer 32004 verknüpft, aus der Berechnung des Praxisfallwertes ausgenommen.

