09. Apr. 2026

Schwangerschaft und Infektionsdiagnostik Immunstatus vor und während der Gravidität

Um Komplikationen während der Schwangerschaft zu vermeiden, empfiehlt es sich, bereits vor einer geplanten Schwangerschaft den Infektions- bzw. Immunitätsstatus gegenüber bestimmten, häufig auftretenden Erregern abzuklären.

Zur infektiologischen Vorsorge gehören bei einer Schwangerschaft laut Mutterschaftsrichtlinien die Untersuchung auf Röteln, Lues, Chlamydien und Hepatitis B und bei begründetem Verdacht auch auf Toxoplasmose. Ebenso ist jetzt der Varizella-Antikörper-Nachweis bei ungeklärter Immunitätslage Kassenleistung.

Nach vorheriger ärztlicher Beratung kann auf Wunsch auch der HIV-Immunstatus geprüft werden.

Darüberhinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Infektionserreger, die Schwangerschaftskomplikationen (mit sehr unterschiedlicher Ausprägung) verursachen können.

Die wichtigsten pränatalen Krankheitserreger
 
Unter dem Begriff TORCH-Komplex sind die wichtigsten pränatalen Krankheitserreger zusammengefasst:
Toxoplasmose Others wie: Parvovirus B19, Chlamydien, Streptokokken B (GBS), Hepatitis, HIV, Coxsackie-Virus, Lues, Listeriose, Masern, Mumps, Gonokokken, Mykoplasmen, Trichomonaden RötelnCytomegalieHerpes-Viren (Herpes-simplex, Varizellen)

TOXOPLASMOSE
Erreger: Toxoplasma gondii (einzelliger Parasit)
Übertragung: Kontakt mit Katzenkot, mit Erde und Sand, Verzehr von rohem bzw. nicht ausreichend gegartem Fleisch.
Klinik: bei Neugeborenen: Hepatitis, Myokarditis Spätfolgen: Sehschäden und geistige Retardierung.  
Bei Verdacht auf Infektionsrisiko GKV-Leistung.

RÖTELN
Erreger: Rötelnvirus, hinterläßt eine lebenslange Immunität.
Übertragung: Tröpfcheninfektion (hochansteckend)
Klinik: Fehlbildungen hauptsächlich bei Organsystemen wie ZNS, Auge, Ohr und Herz; Fetus ist besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel gefährdet.
   
Die Prüfung des Röteln-Immunstatus ist GKV- Leistung.

CYTOMEGALIE
Erreger: Humanes-Cytomegalie-Virus (HCMV, CMV)
Übertragung: über Speichel, Urin, Genitalsekret, Bluttransfusion.
Klinik: Retardierung, Spastik, Seh- und Hörschäden, Anämie; häufigste während der Schwangerschaft erworbene Infektions-krankheit. Vor allem eine Primärinfektion der Schwangeren kann zu einer klinisch relevanten Infektion des ungeborenen Kindes führen. Sind vor oder zu Beginn der Schwangerschaft keine CMV-IgG-Antikörper nachweisbar, hatte die Schwangere wahrscheinlich noch keinen Kontakt mit CMV, ist also seronegativ. In diesem Fall besteht ein potentielles Risiko einer akuten Infektion mit Gefahr der Virusübertragung auf den Fetus.  
Bis zur 36. SSW. sollten bei seronegativen Frauen alle 4-6 Wochen die CMV-Antikörper überprüft werden.

HERPES-SIMPLEX-VIREN
Erreger: HSV 1/2
Übertragung: Sexualkontakte
Klinik: Frühgeburten, neurologische Schädigung, Herpes neonatorum

Bei Verdacht auf Infektionsrisiko GKV-Leistung.

ß-hämolysierende Streptokokken (GBS)
Erreger: Streptokokken der Gruppe B
Übertragung: während der Geburt über Genitaltrakt der Schwangeren
Klinik: kindliche Sepsis mit hoher Letalität.
Ein GBS-Screening wird zwischen der 35. und 37. SSW empfohlen.
 

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PARVOVIRUS B19
Erreger: Erreger des Erythema infectiosum (Ringelröteln)
Übertragung: Tröpfchen- und Kontaktinfektion (Sekret des Respirationstrakts, Speichel), Infektion hinterläßt lebenslange Immunität.
Klinik: Fehlgeburt oder Hydrops fetalis bei Infektion vor der 20. SSW.

Bei Verdacht auf Infektionsrisiko GVV-Leistung!

VARIZELLEN
Erreger: Varizella zoster-Virus (Windpocken)
Übertragung: Tröpfcheninfektion
Klinik:     Bei Erstinfektion in den ersten 20 SSW entweder asymptomatischer Verlauf, fetales Varizellensyndrom (z. B. schwere Missbildungen an Augen, Nervensystem, Skelett) oder Fehlgeburt möglich.  
Antikörper-Nachweis bei ungeklärter Immunitätslage im Rahmen der Empfängnisregelung ist GKV-Leistung.

CHLAMYDIEN
Erreger: gehören zu den obligaten Zellparasiten
Übertragung: durch sexuellen Kontakt
Klinik:   Gefahr der Frühgeburt und von Fehlgeburten. Infektion des Neugeborenen als Auslöser von Lungen und Augenentzündung.  
PCR-Untersuchung im Urin ist GKV-Leistung.

HEPATITS B
Erreger: Hepatitis B-Virus
Übertragung: Schmierinfektion
Klinik:   Infektion in der späten Phase der Schwangerschaft erhöht die Frühgeburtenrate; Schädigungen des Kindes konnten bisher nicht nachgewiesen werden.  
Die Untersuchung auf HSB-Antigen ist GKV-Leistung.  

HIV
Erreger: gehört zu der Gruppe der Retroviren, in zwei Varianten HIV-1 und HIV-2
Übertragung:   Sexualkontakte, Blut und Blutprodukte, hämatogene Infektion des Feten über die Plazenta, im Geburtskanal bei vaginaler Entbindung oder Infektion beim Stillen.
Klinik:   mangelnde Gewichtszunahme, erhöhte Neigung zur Sepsis, lymphozytäre Pneumonie.  
Auf Wunsch Leistung der GKV im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge (!).

LISTERIOSE
Erreger: Listeria monocytogenes, betahämolysierendes Stäbchenbakterium
Übertragung:   Verzehr von kontaminierten Rohmilchprodukten oder Rohkost; Kontakt zu infizierten Tieren (Schafe, Ziegen, Rinder)
Klinik:   bei Schwangeren: grippeartige, gastrointestinale oder zystitisartige Beschwerden; bei fetaler Infektion: Fehlgeburt, Frühgeburt, Neugeborenensepsis.  

Bei Verdacht auf Infektionsrisiko GKV-Leistung.

LUES (Syphilis)
Erreger: Treponema pallidum (Bakterium)
Übertragung: Sexualkontakte, Bluttransfusion
Klinik: Früh- und Totgeburt, Befall innerer Organe, Hautveränderungen  
Die Untersuchung auf Lues ist eine GKV-Leistung.

Laboruntersuchungen
 
Folgende Untersuchungen auf Infektionserreger werden während der Schwangerschaft empfohlen:
 
Parameter Material
Toxoplasmose 2 ml Serum für das Gesamtprofil,
Parvovirus B19 je 0,5 - 1 ml für die Einzelparameter
Röteln  
Cytomegalie  
Varizellen / Zoster  
Listeriose  
Hepatitis B  
HIV  
Chlamydia trachomatis (PCR) Urin
Herpes simplex Typ 1, 2 Abstrich, Serum
Streptokokken (GSB-Screening) Abstrich
Die Parameter können auch einzeln angefordert werden!

Infektionsserologie bei Kinderwunsch

Frauen im „gebärfähigen“ Alter sollten - insbesondere bei Kinderwunsch – den Impf- bzw. den Anti-körperstatus überprüfen lassen (z.B. Impfpass-Check).

Bei fehlendem oder unzureichendem Immunschutz sollte mindestens drei Monate vor der geplanten Schwangerschaft eine Impfung gegen Windpocken (Varizella), eventuell auch gegen Masern, Mumps und Röteln sowie gegen Pertussis durchgeführt werden.

Impfungen vor einer Schwangerschaft schützen vor einer Infektion bzw. Erkrankung in der Schwangerschaft, die u.U. schwere Folgen für das ungeborene Kind haben können.

Die mütterlichen Impf-Antikörper schützen außerdem das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor Infektion und Erkrankung.

Vor einer geplanten Schwangerschaft sollte zusätzlich der Infektions- bzw. Immunitätsstatus gegenüber bestimmten häufig auftretenden Erregern durch folgende Antikörperbestimmungen überprüft werden:

Parameter Material
Cytomegalie (IgG) 2 ml Serum für das Gesamtprofil,
Hepatitis B (Anti-HBs) je 0,5 - 1 ml für die Einzelparameter
Parvovirus B19 (IgG)  
Toxoplasmose (IgG)  
Varizellen (IgG)  
HIV 1/2 (IgG)  
Chlamydien (PCR), Direktnachweis Urin, Abstrich

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