Es ist allgemein bekannt, dass die hormonelle antikonzeptive Behandlung junger Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko verbunden ist. Dies ist jedoch kein Grund um generell auf diese Therapie zu verzichten.
Ebenfalls ist bekannt, dass bei Häufung mehrerer Risikofaktoren die Gefahr einer Venenthrombose überproportional ansteigt. Daher sollten die Patientinnen auf das Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren für eine Thrombophilie untersucht werden.
Im Vordergrund stehen hier die erblich bedingten Risiken, die in der unten stehenden Tabelle zusammengefasst sind. Diese Thrombose-Risikofaktoren sind keineswegs selten. Allein die heterozygoten Trägerinnen der Faktor V-Leiden-Mutation (verantwortlich für die APC-Resistenz) werden in Mitteleuropa auf 5-7% geschätzt. Diese Frauen haben ein 6,6-faches Thromboserisiko, welches unter Antikonzeption auf das 30-fache ansteigt.
Die anderen in der Tabelle genannten Risikofaktoren sind zwar weniger häufig aber gefährlicher und sollten nicht vernachlässigt werden. Es ist hervorzuheben, dass die Bestimmung der Faktor V-Leiden-Mutation viel aussagekräftiger ist als der funktionelle Test für die APC-Resistenz. Der letztere ergibt sowohl falsch positive, als auch falsch negative Ergebnisse.
Ob diese Untersuchungen gesetzlich versicherten Patientinnen als Kassenleistung oder als IGEL- Leistung anzubieten sind, liegt im Ermessen des behandelnden Arztes. Im Rahmen der (Ausschluss-) Diagnose „hereditäre Thrombophilie“ kann unter Verwendung der Ziffer 32011 das Praxisbudget geschont werden.
Thrombose-Risikofaktoren
| Risiko-Parameter | Material | GOÄ Ziffer | GOÄ 1,15 |
| Antithrombin III | Citratplasma | 3930 | 7,37 |
| Protein C Aktivität | Citratplasma | 3951 | 30,16 |
| Freies Protein S | Citratplasma | 3954 | 30,16 |
| Homocystein | frisches Serum | 4062 | 32,17 |
| APC-Resistenz | Citratplasma, gefroren | 3951 | 30,16 |
| Faktor V Leiden Amplifikation Nukleinsäureisolierung/Nukleinsäurespaltung Nukleinsäuretrennung | EDTA-Blut | 3920 3922 3924 | 60,33 33,52 20,11 (1,15 GOÄ) |

