Verwendung des Materials
Urinproben sind ein wichtiges Untersuchungsmaterial in der Laboratoriumsdiagnostik. Sie kommen sowohl in der Mikrobiologie als auch in der klinischen Chemie zum Einsatz. Abhängig von der diagnostischen Fragestellung kann der Erststrahlurin (Auffangen der ersten Portion nach einer mehrstündigen Miktionspause) oder der Mittelstrahlurin (erster und letzter Teil des Harnstrahls wird verworfen, nur die mittlere Portion wird aufgefangen) verwendet werden.
Korrekte Abnahme
Eine sachgerechte Abnahme ist entscheidend für die Qualität der Untersuchungsergebnisse.
- Im Labor Poing wird ausschließlich Urin ohne Zusätze verwendet.
- Für die Diagnostik bei Verdacht auf Harnwegsinfektion ist ein Mittelstrahlurin vorzuziehen, bei PCR-Untersuchungen ein Erststrahlurin. Für die meisten klinisch-chemischen Parameter kann Spontanurin verwendet werden, eine besondere Abnahme ist nicht erforderlich.
- Eine bakteriologische Untersuchung von Katheterurin ist bei direkter Abnahme aus einem frisch gelegten Katheter sinnvoll. Die Angabe, dass es sich um einen Katheterurin handelt, ist dabei unbedingt auf der Anforderung zu vermerken.
- Für toxikologische Fragestellungen kann eine Abgabe unter Aufsicht sinnvoll sein. Für bestimmte Fragestellungen, z.B. im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) gelten besondere Regularien.
- Der Urin wird zunächst in einem sauberen, dafür vorgesehenen Becher gewonnen.
- Anschließend ist die Probe mittels Vacuette-Urinsystem und Übertragungsröhrchen („Strohhalm“) in das vorgesehene Vakuumröhrchen zu überführen.
- Eine eindeutige Beschriftung des Röhrchens (Name, Probennummer) ist erforderlich.
Stabilität und Lagerung
Nach der Überführung des Urins in das Vakuumröhrchen ist die Probe zeitnah an das Labor zu senden. Falls eine sofortige Weitergabe nicht möglich ist, muss das Röhrchen bis zur Abholung im Kühlschrank bei ca. 4–8 °C gelagert werden. Eine längere Aufbewahrung bei Raumtemperatur kann die Messergebnisse beeinträchtigen und ist nicht zu empfehlen.